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3. April 2014: Bernd Lange zu Besuch in Schaumburg

Gemeinsam mit dem Europaabgeordneten Bernd Lange (SPD) besuchte der heimische Landtagsabgeordnete Karsten Becker Ardagh Glass in Obernkirchen und informierte sich über den Produktionsstandort.

Artikel der "Schaumburger Nachrichten" vom 03.04.2014
Aufatmen bei Ardagh
Die Werksleiter und Mitarbeiter an den neun deutschen Glas-Standorten der Ardagh-Gruppe, darunter auch Obernkirchen mit 274 Köpfen, können offenbar aufatmen: Die Ausgleichsregelung für die „Glass People“ im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG-Härtefallregelung) soll Bestand haben; anderenfalls würde das Werk am Lohplatz 1 bei den Energiekosten mit etwa dem Dreifachen des Bisherigen belastet – was „schmerzhaft“ wäre, wie die Führungsetage um Andreas Kehne einräumt.

Obernkirchen. Kehne (45) steht als Nachfolger des in die Europa-Zentrale von Ardagh Glass nach Nienburg gewechselten Herbert Wilcken an der Spitze des Werkes Obernkirchen; der in Salzhemmendorf lebende verheiratete Vater zweier Kinder leitete seit 2009 und noch bis vor Kurzem den Ardagh Standort Bad Münder. Bei einem dreistündigen Ortstermin informierte sich jetzt Niedersachsens SPD-Europaabgeordneter Bernd Lange gemeinsam mit MdL Karsten Becker, Bergstadtbürgermeister Oliver Schäfer und Obernkirchens Ortsvereinschef Manfred Eßmann über das Leistungsvermögen der Glasmacher und ihre aktuelle Energieproblematik.

„Der Erhalt der ,Besonderen Ausgleichsregelungen für energieintensive Unternehmen’, den das Erneuerbare-Energien-Gesetz vorsieht, ist für das Überleben der Glasindustrie am Standort Deutschland unabdingbar“, ist Lange überzeugt; der Spitzenkandidat ist in Brüssel Berichterstatter in Sachen Industriepolitik.

Die Einleitung eines Beihilfeverfahrens gegen Deutschland hatte bei der Glasindustrie in der Republik zuvor scharfe Kritik ausgelöst. „Ein Wegfall der EEG-Härtefallregelungen wäre ein herber Schlag gegen den Standort Deutschland. Wir spüren schon jetzt, dass unsere Mitglieder bei Investitionen in Deutschland abwarten. Firmen, die auch im Ausland produzieren, werden prüfen, ob sie nicht mehr Produktion dorthin verlagern können“, erklärte Hans-Joachim Konz, Präsident des Bundesverbands Glasindustrie, kürzlich in einer Pressemitteilung. In strukturschwachen Regionen, in denen die Glasindustrie seit Generationen der wichtigste Arbeitgeber ist, stünden Arbeitsplätze auf dem Spiel. Die Ausnahmeregelung für energieintensive Unternehmen, zu denen die Glasindustrie zählt, sei daher dringend erforderlich, um Wettbewerbsnachteile durch Umlagen, die Hersteller in anderen Ländern nicht haben, auszugleichen.

„Der jährliche Energieverbrauch allein am Standort Obernkirchen liegt bei über 340 Gigawatt“, rechnet Christian Grundei, Diplomwirtschaftsingenieur bei Ardagh. Den Löwenanteil stelle mit 280 Gigawatt Gas; 60 Gigawatt entfielen auf Strom. Summa summarum lägen die Energiekosten noch über denjenigen, die für das Personal anfielen.

Derweil richten sich die Augen der Werksleitung bereits auf die für 2017 geplante Erneuerung der zweiten von zwei Glasschmelzwannen. „Spätestens im übernächsten Jahr werden wir uns ganz intensiv damit beschäftigen“, so Kehne. Da sei es extrem wichtig, dass die politischen Parameter stimmten.
Beide Wannen fassen jeweils 300 Tonnen Flüssigglas und haben eine Lebenserwartung von 15 Jahren; die Wanne „A“ wurde erst 2013 für etwa 20 Millionen Euro erneuert. Dafür waren 4000 Kubikmeter respektive 8000 Tonnen Erde ausgehoben, 1200 Kubikmeter oder 150 Lkw-Ladungen Beton und 450 Tonnen Stahl verbaut worden. Ardagh hatte 60 Ofenmaurer im Schichtbetrieb feuerfeste Steine mit einem Gesamtgewicht von 3300 Tonnen verarbeiten und 25 Kilometer Kabel verlegen lassen.

Insgesamt waren 58 Firmen mit etwa 300 Mitarbeitern auf den drei unterschiedlichen Baustellen beschäftigt, die auf dem Gelände der Glashütte eingerichtet worden waren.

Die Ardagh Glass GmbH hate mit diesem ehrgeizigen Projekt nicht nur den Austausch der alten, reparaturbedürftigen Wanne realisiert, sondern auch einen Technologiewechsel eingeläutet: Dadurch liegt der Energieverbrauch jetzt um etwa 20 Prozent niedriger. Ein Aspekt, der für die Wirtschaftlichkeit des Obernkirchener Werkes und damit für die Wettbewerbsfähigkeit von großer Bedeutung ist.

„Die Erneuerung der zweiten Wanne soll 2017 gleichsam spiegelbildlich zu derjenigen der ersten laufen, die Wanne B selbst am Ende ebenso energiesparend wie die Wanne A produzieren“, sagt Kehne.

Für Schäfer ist das Ardagh-Gelände ob seiner Dimension gleichsam so etwas wie der fünfte Ortsteil der Bergstadt: „Weil in den zurückliegenden Jahren in der Region viele werthaltige Arbeitsplätze in der Industrie weggebrochen sind, ist ein Ortstermin bei Ardagh immer ein besonders wichtiger Termin für mich.“
Derweil zeigte sich Lange von dem guten Miteinander von Geschäftsführung und Belegschaft sowohl im Europäischen Betriebsrat der Glass People als auch im Ardagh-Werk Obernkirchen sichtlich beeindruckt; die Sozialpartnerschaft liege weit über dem Durchschnitt.

Eindruck machte aber auch, dass am Lohplatz aktuell 21 Auszubildende tätig sind; insbesondere die Ausbildungswerkstatt suche in der gesamten deutschen Glasindustrie vergeblich ihres Gleichen. tw

Quelle: http://www.sn-online.de/Nachrichten/Wirtschaft/Wirtschaft-lokal/Aufatmen-bei-Ardagh

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